Behinderte menschen im Alltag

Christiane, eine Rollstuhlfahrerin, über ihren Alltag

In dem Drama "Lena's Class" wird in realistischen Bildern der schwierige Alltag von Menschen mit Behinderungen in Russland erzählt. Schwerbehinderte Menschen haben oft Probleme im Alltag: in Bussen, Cafés, Kinos und bei der Auswahl von Ärzten. Die große ID-Karte, die in keine Brieftasche passt, ist ebenfalls diskriminierend. Auch in den Bereichen, in denen Hilfsmittel für Behinderte produziert werden, sind Behinderte auf dem Arbeitsmarkt unterrepräsentiert, sagt Oliver. Die Nichtbehinderten stellen sich das Leben behinderter Menschen oft als äußerst schwierig vor.

Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer über ihren Alltag

Es gibt 1,56 Mio. Rollstuhlbenutzer in der Bundesrepublik und die Zugänglichkeit ist damit ein Schwerpunkt. In unserem Alltag begegnen uns ständig Läden, Anlagen oder andere Gegenstände, die behindertengerecht erbaut wurden. Zum Beispiel haben Eingänge mit Treppe eine Rampe für Behinderte, manche Kassen im Supermarkt sind größer als andere und es gibt Sondertoiletten für Menschen mit Behinderungen.

Dort gibt es eigene Netze von Rollstuhlfahrern und Websites wie z. B. Rollmap, wo man sich über diese Sachen informieren kann. Sie ist eine Rollstuhlbenutzerin und Publizistin in Berlin, die ihre Alltagserfahrungen in ihrem eigenen Weblog aufzeichnet. In dem Gespräch erzählt sie mehr über das Rollstuhlleben. Beispielsweise geht mir auf die Nerven, dass Behinderte zunehmend als Sicherheitsprobleme betrachtet werden und uns deshalb der Zutritt zu Filmen und anderen Anlagen verweigert wird, obwohl wir ohne strukturelle Probleme hineinkommen könnten.

Keiner würde daran denken, Menschen aufgrund ihres Geschlechtes oder ihrer Hautfarbe den Zutritt zu verweigern. Warum das mit dem charakteristischen Begriff "Behinderung" in Ordnung ist, kann ich nicht verstehen. Müssen Sie also auf gewisse Sachen verzichtet haben oder suchen Sie immer nach Möglichkeiten? Hier gibt es viel weniger Häuser, die ich nicht betreten kann als in Deuschland.

Nach wie vor kommt es vor, dass ich nicht zu Events gehen kann, weil ich nicht rein kann, aber ziemlich wenig. Was für andere Probleme gibt es im Alltag? In meinem Alltag gibt es kaum Probleme. Nichtbehinderte Menschen denken oft, das Zusammenleben behinderter Menschen sei äußerst mühsam.

Manches muss man sicherlich anders machen, besser einplanen und manches braucht mehr Zeit, aber ich kann nicht behaupten, dass mein tägliches Leben jetzt von Problemen durchdrungen ist. Vor allem strukturelle Hindernisse sind es, die mich daran hindern, und ich bemühe mich lediglich, sie zu umgehen, indem ich einen Umweg mache, ein Fahrzeug lenke oder mich ganz anderswo treffe.

Inwiefern kann man im Voraus feststellen, ob das Lokal für Behinderte zugänglich ist? Es ist erfahrungsgemäß völlig zwecklos, Gaststätten zu rufen, weil die Angestellten entweder die Fragen nicht begreifen oder schlicht "Ja, wir sind barrierefrei" ohne einen Moment zu denken oder "vergessen", dass sie fünf Schritte vor der Haustür haben.

Ist eine Großstadt für Behinderte besser geeignet als eine Kleinstadt oder ein Dorf? Kann man im Handumdrehen viel im Handumdrehen mit dem eigenen Wagen mitfahren? Haben Sie einen gewöhnlichen oder einen Elektrorollstuhl und warum? lch habe einen aktiven Stuhl, einen Manuellrollstuhl. Er ist nicht einmal 9 kg schwer, ich kann ihn selbst in den Wagen hieven, kann damit Bürgersteige hoch oder runter springen und einen Schritt machen.

Mit einem Elektrorollstuhl ist das schwerer. Wenn Sie keinen Elektrorollstuhl benötigen, fahren Sie in der Regel keinen, weil er sehr groß und stark ist. Genau wie jede andere Person: mit dem PKW oder dem ÖPNV. Bei einer barrierefreien Umwelt kann ich mich selbst bewegen. In den Supermärkten kann ich oft nicht zu den Dingen im oberen Etagenregal.

Welche Wünsche haben Sie, um mehr Zugänglichkeit im Alltag zu haben? Geringere Sonntagsansprachen, mehr Action, vor allem in der Bundesrepublik selbst. Warum Grossbritannien oder die Vereinigten Staaten beim Bau so viel weiter sind als die deutschen. Nach wie vor gibt es brandneue Häuser mit einer Treppe vor der Haustür.

Das ist in einer immer älter werdenden Bevölkerung eine Sünde, weil das einmal akribisch geändert werden muss. Es wäre auch gut, wenn leicht zu reparierende Bauten repariert und bei Bedarf z.B. mit Handrampen ausgestattet werden könnten.

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