Verhinderungspflege

Erholung für pflegende Angehörige

Der Alltag kann für pflegende Angehörige mit der Zeit zur Belastung werden. Daher gibt es die Möglichkeit, eine Verhinderungspflege in Anspruch zu nehmen. Diese Leistung der Pflegeversicherung ermöglicht erholungsbedürftigen Angehörigen eine Pause und sichert gleichzeitig eine umfassende Betreuung für den betreffenden Senior. Auch für den Fall, dass die Angehörigen selbst einmal erkranken, gewährleistet eine Verhinderungspflege die notwendige pflegerische Versorgung des Pflegebedürftigen.

Pflege ist emotionale Schwerarbeit

Wohnen im Alter

Sich rund um die Uhr um einen Menschen zu kümmern ist eine sehr fordernde Aufgabe. Oft kommt die Pflegeperson bei der Betreuung eines alten Verwandten selbst zu kurz. Alles dreht sich um die Bedürfnisse und Probleme der zu pflegenden Person, häufig 7 Tage die Woche. Das eigene Leben tritt dabei oftmals in den Hintergrund, Freizeit wird zur Mangelware und Sozialkontakte verkümmern. Auch die Partnerschaft kann unter der Situation leiden, da die Pflegeperson nicht selten emotional ausgelaugt ist. Hinzu kommt noch, dass es kaum Gelegenheiten für Ausflüge oder gar mehrtägige Reisen gibt. Kein Wunder, dass viele pflegende Angehörige nach einiger Zeit einfach nicht mehr können. Hier kann eine Verhinderungspflege eine gute Lösung sein.

Pause von der Pflege

Die Verhinderungspflege wird auch häusliche Ersatzpflege genannt und steht Pflegepersonen zu, die eine pflegebedürftige Person schon seit mindestens 6 Monaten pflegen und dafür Pflegegeld bekommen. Pro Jahr dürfen 28 Tage Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden. Wird die Pflegeperson krank oder möchte sie auf Urlaub gehen, kann ein zugelassener Pflegedienst oder eine Privatperson für diesen Zeitraum die Pflege übernehmen. Allerdings darf der dafür vorgesehene Höchstbetrag, der momentan bei 1.550 Euro liegt, nicht überschritten werden. Die Verhinderungspflege kann sowohl durch eine professionelle Pflegekraft (zum Beispiel durch eine 24 Stunden Pflege), als auch durch Verwandte und Bekannte des Pflegebedürftigen übernommen werden. Allerdings ist zu beachten, dass bei Verwandten ersten oder zweiten Grades sowie bei verschwägerten Angehörigen Pflegekosten maximal bis zur Höhe des jeweils zustehenden Pflegegeldes bezahlt werden. Kommt es zu nachweislich höheren Aufwendungen, wie zum Beispiel zu Verdienstausfällen oder fallen Fahrtkosten an, so können auch diese bis zur für das Kalenderjahr festgelegten Obergrenze von der Pflegeversicherung rückerstattet werden. Genauere Informationen zum Thema finden sich im Paragrafen 39 des Elften Sozialgesetzbuchs (§ 39 SGB XI). Ein Antrag auf häusliche Ersatzpflege muss bei der Pflegeversicherung gestellt werden.

Auszeit für die Seele

Wenn alte Menschen trotz Gebrechlichkeit oder Demenz zuhause wohnen, fühlen sich pflegende Angehörige oft unabkömmlich. Sie sind es so sehr gewohnt, die Verantwortung für den Pflegebedürftigen zu tragen, dass sie meist gar nicht daran denken, Hilfe anzunehmen. Doch um gesund und leistungsfähig zu bleiben, ist es notwendig, die eigenen Grenzen zu erkennen. Die Fähigkeit, sich helfen zu lassen und auch einmal die Verantwortung abzugeben, ist keinesfalls ein Zeichen von Schwäche. Anfangs fällt vielleicht sogar das Annehmen von Nachbarschaftshilfe schwer, aber es tut auf jeden Fall gut und ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Sich eine professionelle Pflegekraft zu leisten, um auch einmal ausspannen zu können, kostet nicht nur Geld, sondern auch Überwindung. Wird sich meine Mutter/mein Vater im Stich gelassen fühlen? Wird sich eine Haushaltshilfe aus Polen genauso gut um meinen Angehörigen kümmern wie ich selbst? Diese und ähnliche Fragen stellen sich Pflegepersonen, wenn sie über die Inanspruchnahme einer Verhinderungspflege nachdenken. Eine ausgebildete Pflegekraft hat Erfahrung im Umgang mit Pflegebedürftigen und ist in der Lage, einfühlsam auf die individuellen Bedürfnisse alter Menschen einzugehen. Daher brauchen Angehörige auf keinen Fall ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn sie sich eine Auszeit gönnen.

Warnsignale ernst nehmen

Pflegende Angehörige leisten einen wichtigen Beitrag in der Gesellschaft. Immerhin ermöglichen sie ihrem Verwandten, sein Leben im Alter zu Hause zu verbringen und sparen dem Staat dadurch viel Geld. Leider haben Pflegepersonen durch ihren Einsatz ein erhöhtes Risiko für chronische Krankheiten oder andere schwere Erkrankungen. Auch die Wahrscheinlichkeit ein Burn-out zu erleiden ist für sie um ein Vielfaches höher als für den Durchschnittsbürger. Daher ist es wichtig, Zeichen, die auf eine Überlastung hindeuten, ernst zu nehmen. Wer sich permanent unter Druck fühlt, nervös und gereizt ist oder sich über längere Zeit matt, lustlos und depressiv fühlt, sollte sich psychologisch beraten lassen und eventuell eine Auszeit planen. Auch psychosomatische Beschwerden, wie zum Beispiel Einschlafstörungen, Herzrasen, Magenschmerzen oder Kopfschmerzen ohne physische Ursachen können ein Hinweis darauf sein, dass eine Pause dringend nötig ist.

Die Möglichkeit der Verhinderungspflege wurde geschaffen, damit Pflegepersonen entlastet werden und neue Kräfte sammeln können. Ob die häusliche Ersatzpflege tage- oder stundenweise in Anspruch genommen wird, kann jeder selbst entscheiden. Wichtig ist, sich persönliche Freiräume zu schaffen. Denn um für andere da sein zu können, muss ein Mensch zunächst einmal für sich selbst sorgen. Wer sich selbst nichts gönnt, wird krank. Vergessen Sie daher nicht, auch an sich zu denken. Lernen Sie, Verantwortung abzugeben und Hilfe zuzulassen. Nach einer Auszeit können Sie sich mit frischer Energie wieder Ihren Aufgaben widmen.

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