Wie Leben Alte menschen in Deutschland

Das Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Die Männer erreichen ein immer höheres Niveau. Das Statistische Bundesamt hat in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Broschüre "Ältere Menschen in Deutschland und der EU" herausgegeben. Doch wie genau leben ältere Menschen? Aus den Zahlen der amtlichen Statistik geht hervor, dass viele Menschen einerseits das Alter nutzen, um Dinge zu tun, für die es im Berufsleben keine Zeit gab. Jüngere Familien, Vereine, kirchliche und andere soziale Einrichtungen.

Lehrstuhl für Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsentwicklung

Die Tatsache, dass die Menschen immer älter werden, ist auf den medizinisch bedingten Fortschritten zurückzuführen, die die ehemals hohen Kinder- und Müttersterblichkeitsraten, den Niedergang physisch anspruchsvoller Tätigkeiten und vor allem einen gesundheitsbewussten Umgang mit verbesserter Gesundheit und Nahrung mit dem Wissen um die Wichtigkeit von Bewegung, sportlicher, körperlicher und seelischer Betätigung erheblich mindern.

Noch vor 100 Jahren betrug die mittlere Lebensdauer 46,4 Jahre für den Mann und 52,5 Jahre für die Frau. Damit hat sich die Lebensdauer in diesem Zeitabschnitt fast verdoppelt. Allerdings altern die Gesellschaften nur, wenn nicht nur die individuellen Angehörigen älter werden, sondern zugleich die Geburtenhäufigkeit pro Ehepaar abfällt. Infolgedessen wird die Generation der Kinder kleiner sein als die der Mütter, und der Prozentsatz der jungen Menschen an der gesamten Bevölkerung wird sinken.

Dieser Rückgang der Geburtenrate begann in der Bundesrepublik Ende der 60er Jahre. Weitere Ursachen sind die teilweise bis ins vierte Lebensjahrzehnt dauernde Ausbildung und ein immer älter werdendes Alter, in dem Menschen heiraten. Eine gewisse Werteveränderung in der Bevölkerung, die Duldung gegenüber zivilen Partnerschaften ohne Heiratsurkunde, kann auch für ein späteres Hochzeitsalter und damit für den Rückgang der Geburt sorgen.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass rund 15 % der Ehepaare gegen ihren Willen Kinderlosigkeit haben. Die Zusammensetzung der Population in der Bundesrepublik unterscheidet sich bereits signifikant von 1960: Die Bevölkerungspyramide, immer noch ein "ausgefranster Weihnachtsbaum" um 1900, deformiert sich zu einem Schimmel. Die Verlagerung von der Jugend ins Alter für das Jahr 2050 ist klar erkennbar: Überraschenderweise beginnt der Wandel zu einer älter werdenden Welt auch in den Schwellenländern.

Im Durchschnitt werden in den 50 armen Ländern der Erde immer noch fünf Frauen pro Kind erwartet. Doch laut Vorhersagen des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) wird es bis 2050 nur etwa 2,6 Geburten pro Person geben. Der Geburtenrückgang in den Schwellenländern führt in der Regel zu einem Wohlstandszuwachs, so dass die mittlere Lebensdauer in den Schwellenländern von heute rund 51 Jahren auf 66,5 Jahre bis 2050 ansteigen dürfte.

Damit wird der Prozentsatz der Menschen über 60 Jahre und über 80 Jahre ebenfalls anwachsen. Gegenwärtig ist etwa ein Elftes der Erdbevölkerung (809 Mio. Menschen) über 60 Jahre alt, im Jahr 2050 wird es ein Fünftes (zwei Mrd. Menschen) sein. Die demographische Entwicklung wird daher die Gesellschaft nicht nur in der Bundesrepublik und im europäischen Raum, sondern in der ganzen Welt mitgestalten.

Die Auswirkungen einer älter werdende Bevölkerung werden in der Bundesrepublik bereits jetzt in Bezug auf die Sozialversicherungssysteme (Altersvorsorge, Kranken- und Pflegeversicherung), die wirtschaftliche und arbeitsweltliche Situation, die Städte- und Verkehrserschließung sowie das Bildungswesen erörtert. Das neue Verhaeltnis zwischen Jungen und Alten hat direkte Auswirkungen auf die Sozialversicherungssysteme in Deuschland. Seit 1957 zum Beispiel beruht das System der Altersvorsorge in der Bundesrepublik auf einer umlagefinanzierten Finanzierung.

Wenn man den Altersquotienten auf dem derzeitigen Stand belassen wollte, müßte das Rentenalter bis 2050 auf fast 75 Jahre angehoben werden. Zudem sind bereits rund 30 Prozent des eigentlich umlagefinanzierten Rentensystems (2006: rund 80 Mrd. Euro) auf Subventionen aus dem Landeshaushalt abhängig, d. h. mit Steuergeldern unterlegt.

Die Älteren sagen umso weniger über ihre Fähigkeit, ihr Können, ihr Verhalten und ihre Erfahrungen aus. Das Funktionieren der verschiedenen körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeiten (das "Funktionsalter") ist nicht an ein zeitlich begrenztes Lebensalter gekoppelt, sondern wird durch biologische und soziale Einflussfaktoren bestimmt, die ein Leben lang wirken. Entscheidend sind hier unter anderem die schulische Bildung, die Berufsausbildung, der Lifestyle und die Reaktion auf Stress.

Auch Stadtplaner, Gemeinden und Verkehrsunternehmen müssen sich auf eine höhere Zahl älterer Menschen einrichten. Die Planung und Ausstattung von Haus und Wohnung wird sich durch den gestiegenen Eigenbedarf älterer Menschen verändern. Doch was geschieht, wenn der Bevölkerungsanteil über 85 Jahre ansteigt?

Auch die älteren Menschen von heute sind viel älter und leistungsfähiger als ihre Vorfahren. Noch heute werden rund 70 Prozent aller Betreuungsbedürftigen in der Gastfamilie betreut. Die familiäre Betreuung hat jedoch ihre Tücken, da der Bevölkerungsanteil der jungen Menschen abnimmt, immer mehr Menschen kinderlos sind und die familiäre Situation immer räumlicher wird.

Noch schwerwiegender als in der Bundesrepublik werden sich die Auswirkungen des Bevölkerungswandels in den Entwicklungs- und Schwellenländern bemerkbar machen. Die Alterung der Menschen findet dort rascher statt als in den Industrienationen: Dauerte es in diesem Fall beispielsweise in Spanien 115 Jahre, bis der Bevölkerungsanteil der über 60-Jährigen von sieben auf 14% anstieg, benötigt das Land nur noch 20 Jahre für die selbe Erschließung (die voraussichtlich im Jahr 2031 fertiggestellt sein wird).

Der Alterungsprozeß vollzieht sich in Entwicklungs- und Schwellenländern später als in Industriestaaten, wird aber mit der Zeit verdichtet. Bis 2050 werden rund 80 % der Menschen über 60 Jahre in den derzeitigen Schwellenländern sein. Waehrend in den OECD-Laendern 84% der ueber 60-Jaehrigen eine Altersrente erhalten, sind es in Latein Amerika weniger als 20%, in Suedostasien weniger als 10% und in Subsahara-Afrika weniger als 5%.

Die wenigsten haben im Beruf gut gearbeitet und wohnen vorwiegend in der Stadt. Ältere Menschen in ländlicher Umgebung, die in der Regel nur ein unregelmäßiges landwirtschaftliches Gehalt beziehen, sind der Gefahr des Alterns ohne angemessene Vorsorge ausgesetzt. Ein Grund dafür ist, dass weniger Schulkinder auf die Welt kommen. Zum anderen, weil immer weniger Menschen auf dem Land arbeiten und deshalb in die Großstädte umziehen.

Besonders stark davon sind die Frauen in Mitleidenschaft gezogen, die wegen der längeren Lebensdauer der Frau am Ende ihres Lebens oft allein gelassen werden. Statistical Office (2009): Bevölkerungsentwicklung in der Bundesrepublik bis 2060 und der 12. koordinierte Bevölkerungsprognose. Statistical Office (2011): Generationensterblichkeitstabellen für Deuschland. Statistical Office (2012): Periodische Sterbetafeln für Deuschland.

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