Zur allgemeinen Orientierung. Für Ihre persönliche Situation helfen Pflegeberatung und die zuständigen Fachstellen weiter.
Wenn ein Angehöriger mehr Hilfe braucht oder die Pflege zu Hause neu organisiert werden muss, klärt eine Pflegeberatung, welche Unterstützung nötig ist. Pflegeberaterinnen und Pflegeberater erklären, welche Leistungen es gibt, planen die nächsten Schritte und halten passende Hilfen in einem Versorgungsplan fest.
Ein Pflegegrad muss dafür noch nicht bewilligt sein. Sie können bereits Anspruch auf Beratung haben, wenn Sie Pflegeleistungen beantragt oder eine Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit angefordert haben und Unterstützung brauchen. Angehörige können mit Zustimmung der pflegebedürftigen Person teilnehmen.
Wann Pflegeberatung hilft
Eine Beratung ist sinnvoll, sobald sich die Pflege verändert oder Fragen offenbleiben. Das gilt etwa, wenn jemand nach einem Krankenhausaufenthalt Hilfe im Alltag braucht, die bisherige Versorgung nicht mehr ausreicht oder pflegende Angehörige an ihre Belastungsgrenze kommen. Auch bei Unsicherheit über Anträge, Pflegeleistungen oder Entlastungsangebote bietet ein Gespräch Orientierung.
Zunächst klärt die Beratung, welche Unterstützung gebraucht wird: Sie erfasst, was im Alltag noch selbstständig gelingt, wobei Hilfe nötig ist und was die Angehörigen belastet. So lässt sich erkennen, welche Leistungen und Hilfen passen. Ändert sich die Situation, können Sie erneut Beratung anfragen und die Planung anpassen lassen.
Die Pflegeberatung ist freiwillig. Eine Teilnahme ist keine Voraussetzung dafür, Pflegeleistungen zu beantragen oder zu erhalten.

Wer Anspruch auf Pflegeberatung hat
Nach § 7a des Elften Buches Sozialgesetzbuch haben Menschen Anspruch auf individuelle Pflegeberatung, wenn sie Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen. Der Anspruch kann auch entstehen, wenn Sie einen Antrag gestellt oder die Pflegekasse um eine Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit gebeten haben und Beratung brauchen.
Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums soll die Pflegekasse dann einen Beratungstermin anbieten, der innerhalb von zwei Wochen stattfindet. Stattdessen kann sie einen Beratungsgutschein für eine unabhängige und neutrale Beratungsstelle ausgeben. Sie können den Gutschein innerhalb von zwei Wochen einlösen. Privat Versicherte wenden sich an ihr privates Pflegeversicherungsunternehmen.
Fragen Sie selbst nach, wenn Sie keine Information erhalten haben. Eine klare Formulierung lautet: „Ich möchte eine Pflegeberatung nach § 7a SGB XI.“ Angehörige und andere vertraute Personen dürfen auf Wunsch der pflegebedürftigen Person und mit deren Zustimmung einbezogen werden.
Wo Sie Pflegeberatung finden
Die Pflegekasse ist eine erste Anlaufstelle. Wer eine unabhängige Einschätzung sucht, kann außerdem nach einem Pflegestützpunkt, einer kommunalen Pflegeberatungsstelle oder einer Beratungsstelle fragen, die einen Beratungsgutschein annimmt. Pflegestützpunkte werden öffentlich finanziert. Ihre Beratung ist kostenlos und unabhängig. Welche Stellen erreichbar sind, hängt vom Wohnort ab.
Nicht jedes Beratungsangebot hat denselben Auftrag oder dieselbe Unabhängigkeit. Fragen Sie deshalb, wer die Beratung anbietet, welche Themen sie abdeckt und ob sie neutral ist. Pflegefachkräfte von Pflegediensten können bei konkreten Pflegesituationen anleiten. Diese praktische Anleitung ergänzt die umfassendere Pflegeberatung, ersetzt sie aber nicht automatisch.
Auch die Art der Unterstützung sollte klar benannt werden. Behandlungspflege, etwa eine medizinisch notwendige Versorgung, unterscheidet sich von Betreuung und Hilfe im Haushalt. Lassen Sie sich erklären, welche Aufgaben tatsächlich übernommen werden und wie die Versorgung organisiert ist.
So bereiten Sie die Pflegeberatung vor
Sie müssen nicht alle Fragen vorab beantworten. Eine kurze Übersicht über den Alltag hilft der Pflegeberatung, genauer zu erkennen, welche Hilfe nötig ist. Notieren Sie zum Beispiel, wobei die pflegebedürftige Person Hilfe braucht, was Angehörige bereits übernehmen und welche Situationen besonders schwierig sind.
Als Gesprächsgrundlage eignen sich:
- Fragen zu Pflegeleistungen, Hilfsmitteln und Entlastung für Angehörige
- Arzt- oder Krankenhausunterlagen, die bereits vorliegen, sowie eine aktuelle Medikamentenübersicht
- Beispiele aus dem Alltag, in denen Unterstützung fehlt oder die Pflege besonders belastet
Bitten Sie am Ende des Gesprächs um eine Zusammenfassung der vereinbarten nächsten Schritte. Fragen Sie auch nach dem Versorgungsplan und danach, ob Sie eine Kopie erhalten können. Ein Bericht des GKV-Spitzenverbands aus dem Juni 2026 zeigt: Pflegeberaterinnen und Pflegeberater erstellen fast immer einen solchen Plan, geben ihn aber nur in etwa zwei Dritteln der Fälle aus.

Antrag und Begutachtung prüfen
Die Beratung kann auch helfen, einen Antrag auf Pflegeleistungen vorzubereiten oder eine Begutachtung einzuordnen. Notieren Sie, wobei im Alltag regelmäßig Hilfe nötig ist. Ein Pflegetagebuch kann dabei unterstützen, den tatsächlichen Bedarf über einen längeren Zeitraum zu dokumentieren. Medizinische Unterlagen ergänzen diese Beobachtungen.
Wird ein Pflegegrad abgelehnt oder erscheint er zu niedrig, prüfen Sie, ob das Gutachten zum Alltag passt. Prüfen Sie, ob wichtige Situationen fehlen oder der Unterstützungsbedarf aus Ihrer Sicht unzutreffend eingeschätzt wurde. Eine Pflegeberatungsstelle kann bei der Vorbereitung eines Widerspruchs unterstützen. Achten Sie auf die Rechtsbehelfsbelehrung im Bescheid: Dort stehen die maßgeblichen Angaben zum Vorgehen und zur Frist. Bei rechtlichen Fragen kann eine qualifizierte Rechtsberatung nötig sein.
Wie oft Pflegeberatung genutzt wird
Der GKV-Spitzenverband berichtete im Juni 2026, dass rund drei Prozent der Anspruchsberechtigten die Pflegeberatung nach § 7a nutzten. Unter den Befragten, die das Angebot in Anspruch genommen hatten, waren 87,1 Prozent zufrieden. Ob alle Anspruchsberechtigten von der Beratung erfahren oder sie leicht erreichen, lässt sich aus der Zufriedenheit nicht ablesen. Ein Teil der Nicht-Nutzenden kannte das Angebot nicht oder erinnerte sich nicht daran.
Im Bericht entfielen 66 Prozent der genannten Themen auf die Entlastung pflegender Angehöriger. Pflegegeld machte 47 Prozent aus, Hilfsmittel 41 Prozent. Sprechen Sie deshalb auch Ihre eigene Belastung und praktische Fragen ausdrücklich an.
Die Pflegeberatung nach § 7a ist von Beratungsbesuchen in der häuslichen Umgebung nach § 37 Absatz 3 SGB XI zu unterscheiden. Diese Besuche betreffen bestimmte Pflegegeldbeziehende und haben eigene Regeln. Wenn Sie unsicher sind, um welches Angebot es geht, nennen Sie bei der Anfrage den Anlass und fragen Sie nach der passenden Beratungsform.



