Zur allgemeinen Orientierung. Für Ihre persönliche Situation helfen Pflegeberatung und die zuständigen Fachstellen weiter.
Eine seniorengerechte Stadt ermöglicht älteren Menschen, selbstbestimmt zu wohnen, unterwegs zu sein und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Dafür müssen Wohnung, Gehwege, Haltestellen, Geschäfte und Treffpunkte gut erreichbar sein. Eine barrierefreie Haustür genügt nicht, wenn der Weg zur Arztpraxis schwer zu bewältigen ist.
Welche Unterstützung jemand braucht, hängt auch von Gesundheit, Einkommen, Wohnform und sozialen Kontakten ab. Gute Stadtplanung berücksichtigt diese Unterschiede und erkennt, wer im Alltag auf Hindernisse stößt.
Acht Bereiche einer altersfreundlichen Stadt
Die Weltgesundheitsorganisation nennt acht Bereiche, die eine altersfreundliche Stadt prägen: öffentliche Plätze und Gebäude, Verkehr, Wohnen, soziale Teilhabe, Anerkennung und Einbeziehung, bürgerschaftliches Engagement und Arbeit, Information sowie gemeinschaftliche Unterstützung und Gesundheitsversorgung. Die Bereiche hängen zusammen. Wer eine Wohnung ohne Stufen verlassen kann, braucht weiterhin sichere Wege und erreichbare Angebote.
Die Bevölkerungszahlen zeigen, dass Stadtplanung die Bedürfnisse älterer Menschen berücksichtigen muss. Alter bedeutet dabei nicht automatisch Hilfebedarf. Unter den älteren Menschen unterscheiden sich Gesundheit, Mobilität, Einkommen und soziale Kontakte stark.
Auch Pflege gehört zum Bild, aber nicht jede ältere Person benötigt sie. Ende 2023 galten in Deutschland knapp 5,7 Millionen Menschen nach den Regeln der Pflegeversicherung als pflegebedürftig. 86 Prozent von ihnen wurden zu Hause versorgt. Diese Zahlen beschreiben die bundesweite Lage, nicht den Bedarf in einer einzelnen Stadt. Sie verdeutlichen jedoch, warum erreichbare Unterstützung im Wohnumfeld wichtig ist.

Barrierefreie Wohnungen sind selten
Ein altersgerechtes Wohnumfeld beginnt in der Wohnung. Stufen am Hauseingang, enge Türen oder eine Dusche mit hohem Einstieg erschweren den Alltag, besonders bei eingeschränkter Beweglichkeit. Laut einer Auswertung des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) erfüllten 2023 nur 5,6 Prozent der Menschen ab 65 Jahren alle Kriterien für eine vollständig barrierefreie Wohnung. Dazu zählten ein stufenloser Zugang zur Wohnung und zu den Räumen, ein zugängliches Bad und eine ebenerdige Dusche.
Eine andere DZA-Auswertung betrachtete 2023 barrierearme Wohnungen bei Menschen ab 65 Jahren. Die Werte lassen sich nicht direkt vergleichen: „Barrierearm“ bezeichnet weniger strenge Anforderungen als „vollständig barrierefrei“.
Eine vertraute Umgebung und gute Nachbarschaft können dazu beitragen, dass Menschen ihre Wohnsituation positiv bewerten, auch wenn die Wohnung Mängel hat. Das zeigt eine DZA-Auswertung zu Wohnzufriedenheit und Wohnumfeld. Eine positive Einschätzung ersetzt deshalb keine Prüfung der tatsächlichen Zugänglichkeit. Wenn ein Umzug nötig wird, können vertraute Orte und soziale Kontakte bei der Entscheidung eine wichtige Rolle spielen.
Der Weg zur Haltestelle zählt
Ein Bus oder eine Praxis in der Nähe hilft wenig, wenn der Weg dorthin schwierig ist. Wenn Städte Wege vor Ort prüfen, sollten sie die ganze Strecke betrachten: vom Wohnungseingang über Gehwege und Querungen bis zur Haltestelle, zum Geschäft oder zum Treffpunkt. So werden Hindernisse sichtbar, die bei einer getrennten Betrachtung von Wohnraum und Verkehr leicht untergehen.
Viele ältere Menschen bewerteten ihre Versorgung 2023 positiv: 76,6 Prozent fanden, dass es ausreichend Einkaufsmöglichkeiten gab, 78,5 Prozent hielten die medizinische und pharmazeutische Versorgung für ausreichend. 69,3 Prozent schätzten ihre Anbindung an den öffentlichen Verkehr als gut ein. Solche Durchschnittswerte sagen jedoch nicht, ob alle Stadtteile und Bevölkerungsgruppen gleich gut versorgt sind.
Eine Befragung von 905 Menschen ab 65 Jahren in Oldenburg ergab insgesamt eine leicht positive Bewertung der Altersfreundlichkeit der Stadt. Öffentlicher Verkehr, Wohnen sowie Anerkennung und soziale Einbeziehung schnitten vergleichsweise gut ab. Öffentliche Räume und Gebäude sowie örtliche Unterstützungs- und Gesundheitsangebote erhielten niedrigere Bewertungen. Die Ergebnisse beschreiben die befragten Bewohnerinnen und Bewohner in privaten Haushalten einer Stadt. Sie sind keine Rangliste deutscher Städte und lassen sich nicht ohne Weiteres auf Pflegeheime oder andere Kommunen übertragen.
Sicherheit und Schatten mitplanen
Mehr als ein Drittel der Menschen ab 65 Jahren fühlte sich laut DZA-Auswertung in der eigenen Nachbarschaft nach Einbruch der Dunkelheit unsicher. Bei Frauen lag der Anteil bei knapp der Hälfte und damit etwa doppelt so hoch wie bei Männern. Auch Menschen mit Armutsrisiko, Mieterinnen und Mieter sowie Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen berichteten häufiger von Unsicherheit.
Städte können herausfinden, an welchen Orten Menschen sich unsicher fühlen: Wo fehlen sichere Querungen oder gut beleuchtete Wege? Welche Plätze werden gemieden, und von wem? Rückmeldungen älterer Bewohnerinnen und Bewohner helfen, solche Fragen zu beantworten. Eine allgemeine Zufriedenheitszahl zeigt nicht, welche Wege für einzelne Gruppen problematisch sind.
Auch Schutz vor Hitze trägt dazu bei, dass Menschen sich draußen aufhalten können. Das Umweltbundesamt zählt ältere Menschen mit schweren gesundheitlichen Einschränkungen zu den besonders gefährdeten Gruppen bei extremer Hitze. Dichte Bebauung, versiegelte Flächen und gespeicherte Wärme können die Belastung in Städten erhöhen. Schattenplätze und Möglichkeiten zur Abkühlung sind daher sinnvolle Planungsansätze. Die Kommune sollte vor Ort prüfen, welche Maßnahme am jeweiligen Ort am besten wirkt.

Teilhabe braucht erreichbare Angebote
Soziale Kontakte und vertraute Nachbarschaften können den Alltag stützen. Damit ältere Menschen selbstständig an Treffen teilnehmen können, müssen sie Treffpunkte, Beratungsangebote und Veranstaltungen über passende Wege und Verkehrsmittel erreichen. Auch verständliche Informationen gehören dazu: Hinweise auf Angebote helfen nur, wenn sie die Menschen erreichen, die sie nutzen sollen.
Beteiligung sollte unterschiedliche Erfahrungen sichtbar machen. Dazu gehören etwa die Perspektiven alleinlebender Menschen, von Personen mit Mobilitätseinschränkungen und von Menschen mit geringem Einkommen. Eine Befragung in Oldenburg fand besonders große Schwierigkeiten bei einer Gruppe, in der sehr alte Menschen, Alleinlebende und Personen mit chronischen Erkrankungen häufiger vertreten waren. Das ist ein Ergebnis dieser Untersuchung, keine bundesweite Schätzung.
Städte können bei neuen Baugebieten und bei der Weiterentwicklung bestehender Viertel prüfen, ob Angebote für ältere Menschen frühzeitig mitgeplant werden. Fachanalysen zufolge sind Angebote für Seniorinnen und Senioren teilweise zersplittert und weniger fest in die Stadtplanung eingebunden als Angebote für Kinder und Familien. Daraus folgt keine Aussage über jede Kommune. Es spricht aber dafür, Zuständigkeiten und Angebote vor Ort gemeinsam zu betrachten.
Alltagswege im Stadtteil prüfen
Um die Wege im Stadtteil zu prüfen, beginnt die Kommune mit einer typischen Alltagsstrecke. Eine ältere Person geht dabei, soweit es für sie passt, vom Hauseingang zum Laden, zur Haltestelle, zur Arztpraxis oder zu einem sozialen Treffpunkt. Entscheidend ist, wo sie anhalten, Umwege nehmen oder Hilfe in Anspruch nehmen muss. Bei dieser Prüfung sollten Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen dabei sein, denn eine Strecke, die für eine Person gut funktioniert, kann für eine andere unpassierbar sein.
Die Kommune kann solche Beobachtungen mit Daten zu Wohnungen, Nahversorgung und Verkehr verbinden. Dabei lohnt sich der Blick auf einzelne Stadtteile: Eine Untersuchung größerer deutscher Städte fand Unterschiede bei der örtlichen Infrastruktur und bei der wahrgenommenen Erreichbarkeit zu Fuß. Bundesweite Durchschnittswerte verdecken solche lokalen Unterschiede.
Um die Lage verlässlich zu bewerten, sollten Städte sowohl die Erfahrungen der Menschen als auch die Bedingungen vor Ort erfassen. Die neue deutsche Fassung eines Fragebogens zur Altersfreundlichkeit wurde in Oldenburg eingesetzt. Eine vergleichbare Rangliste deutscher Städte liefert die Untersuchung nicht. Auch eine vollständige nationale Messung, die den gesamten Weg von der Wohnung bis zum Ziel abbildet, fehlt in den hier vorliegenden Befunden.



