Zur allgemeinen Orientierung. Für Ihre persönliche Situation helfen Pflegeberatung und die zuständigen Fachstellen weiter.

Ein barrierearmes Videogespräch erleichtert die Teilnahme, wenn Hören, Sehen oder die Bedienung schwerfallen. Welche Hilfen passen, hängt von der Person ab. Dazu gehören Untertitel, ein gut sichtbares Kamerabild, mehr Zeit zum Antworten oder Hilfe bei der Bedienung.

Fragen Sie vorher, welche Unterstützung gebraucht wird, und testen Sie den Videoanruf gemeinsam. So sehen Sie rechtzeitig, ob App, Gerät und Hilfen zusammenpassen.

Bedürfnisse vor dem Videoanruf klären

Fragen Sie Ihre Angehörige oder Ihren Angehörigen, was beim Gespräch gut funktioniert. Sprechen Sie konkret über Untertitel, Hörgeräte, eine größere Darstellung, Lippenlesen oder Hilfe beim Annehmen des Anrufs. Schalten Sie Funktionen nicht ungefragt ein: Untertitel können zum Beispiel ablenken, wenn die Person sie nicht nutzen möchte.

Wählen Sie einen Dienst, den alle Beteiligten auf ihren Geräten verwenden können und mit dem sie zurechtkommen. Videotelefonie-Apps unterscheiden sich bei Bedienungshilfen und Einstellungen. Testen Sie die gewünschte Lösung daher mit den Geräten, die alle nutzen. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass eine Funktion verfügbar ist.

Vor dem Gespräch hilft ein kurzer Test. Prüfen Sie dabei:

  • Öffnen sich Bild und Ton auf den Geräten aller Beteiligten?
  • Funktionieren gewünschte Untertitel oder andere Bedienungshilfen?
  • Ist die Schrift gut lesbar und das Gesicht im Bild deutlich zu erkennen?
  • Können alle den Anruf selbstständig annehmen oder wissen sie, wer dabei hilft?

Wenn die Person weitere Unterstützung braucht, prüfen Sie vorher, ob der gewählte Dienst sie anbietet. Schriftdolmetschung bedeutet, dass eine dolmetschende Person Gesprochenes in Schrift überträgt. Dafür brauchen Sie eine passende Lösung, denn Schriftdolmetschung gehört nicht automatisch zu jedem Videotelefonie-Dienst.

Ältere Menschen bei einer gemeinsamen Gesprächsrunde am Tisch.
KI-generiertes Symbolbild

Bild und Ton einrichten

Stellen Sie die Kamera frontal auf das Gesicht. Wer Lippen liest oder Mimik nutzt, braucht ein gut sichtbares Gesicht und möglichst gleichmäßiges Licht. Ein helles Fenster direkt hinter der sprechenden Person lässt das Gesicht oft im Schatten liegen. Licht von der Seite oder schräg von vorn ist günstiger.

Wählen Sie einen ruhigen Raum und schalten Sie Fernseher oder Radio aus. Sprechen Sie klar und in normaler Lautstärke, statt zu schreien. Ein Mikrofon sollte den Mund nicht verdecken. Fragen Sie nach, wenn etwas unklar ist, und formulieren Sie eine Aussage bei Bedarf anders. So haben alle Beteiligten Zeit, Missverständnisse zu klären.

Bei einem Familiengespräch mit mehreren Personen sollte klar sein, wer wann spricht. Lassen Sie möglichst eine Person nach der anderen sprechen und schalten Sie nicht benötigte Mikrofone stumm, damit weniger Hintergrundgeräusche und Rückkopplungen zu hören sind. Wer spricht, nennt zuerst den eigenen Namen. So lässt sich die Stimme leichter einer Person zuordnen.

Untertitel gezielt testen

Live-Untertitel wandeln gesprochene Sprache während des Gesprächs in Text um. Ob sie verfügbar sind, hängt von Gerät, App, Sprache und Gesprächsform ab. Auch die Lesbarkeit und Position der Untertitel sollten Sie vorab prüfen.

Die Funktionen unterscheiden sich je nach Anbieter. Googles automatische Untertitel auf Android sind laut Google nicht in jeder Anruf-App verfügbar und nicht für Anrufe mit mehr als zwei Personen vorgesehen. Apple beschreibt Live-Untertitel für FaceTime auf dem iPhone; Verfügbarkeit und Genauigkeit hängen unter anderem von Sprache und Region ab. Microsoft bietet Liveuntertitel in Microsoft Teams kostenlos für bestimmte Anrufe und Besprechungen an. Diese Angaben gelten nur für die beschriebenen Produkte. Sie gelten nicht automatisch für alle Geräte oder Versionen.

Automatische Untertitel können Wörter falsch erkennen. Bei wichtigen Absprachen sollten Sie deshalb nachfragen und zentrale Aussagen bestätigen lassen, statt sich allein auf den eingeblendeten Text zu verlassen. Je nach Funktion verbrauchen die Untertitel unterschiedlich viel Akku und verarbeiten Audiodaten unterschiedlich. Microsoft gibt für Teams kostenlos an, dass Audiodaten zur Transkription durch Microsoft-Sprachdienste verarbeitet werden. Google beschreibt seine Android-Funktion „Live Caption“ dagegen als Verarbeitung auf dem Gerät, ohne Speicherung oder Übermittlung an Google. Prüfen Sie die Hinweise für die konkrete Funktion, die Sie nutzen.

Bedienungshilfen für Videoanrufe

Bei eingeschränktem Sehvermögen können größere Schrift, Vergrößerung oder ein Screenreader helfen. Ein Screenreader liest Bildschirminhalte vor. Welche Funktionen verfügbar sind und ob sie mit der Video-App zusammenarbeiten, hängt vom Gerät und von der App ab. Wenn jemand nicht sprechen möchte oder kann, können bestimmte Geräte während eines Anrufs Text vorlesen. Testen Sie solche Funktionen vor dem Gespräch, damit die Bedienung nicht erst im Anruf geklärt werden muss.

Erklären Sie, was auf dem Bildschirm zu sehen ist. Wenn Sie etwa ein Foto zeigen oder etwas auf dem Bildschirm teilen, erklären Sie kurz, was darauf zu sehen ist. Sprechen Sie eine Person mit Namen an, damit klar ist, an wen sich eine Aussage richtet.

Kleine Reisetasche, Strickjacke und Notizbuch auf einem Bett.
KI-generiertes Symbolbild

Gebärdensprache im Videogespräch

Untertitel ersetzen Gebärdensprache nicht automatisch. Fragen Sie die Person, wie sie am liebsten kommuniziert und ob sie Gebärdensprachdolmetschung oder andere Unterstützung braucht. Für private Familiengespräche gibt es keine allgemeine Lösung, die auf jedem Dienst verfügbar ist. Klären Sie daher vorab, ob die gewünschte Unterstützung mit der gewählten Verbindung funktioniert.