Zur allgemeinen Orientierung. Für Ihre persönliche Situation helfen Pflegeberatung und die zuständigen Fachstellen weiter.

Ein digitales Nachbarschaftsnetz bringt ältere Menschen im Viertel zusammen und hilft, praktische Unterstützung zu organisieren. Dafür braucht es einen digitalen Weg, den die Beteiligten kennen, klare Absprachen und persönliche Begegnungen. Ein Messenger oder eine Plattform allein schafft keine verlässlichen Kontakte.

Telefonate ergänzen die digitale Vernetzung. Auch Aushänge und Treffen vor Ort gehören dazu. So können auch Menschen ohne Smartphone oder mit Unterstützungsbedarf bei der Bedienung teilnehmen.

Bedarf im Viertel klären

Klären Sie zuerst, was Menschen in Ihrer Nachbarschaft tatsächlich suchen. Geht es um gemeinsame Spaziergänge, Gespräche, lokale Informationen oder Hilfe bei einzelnen Erledigungen? Der Zweck bestimmt, wen Sie ansprechen und welcher Kommunikationsweg passt.

Über das digitale Nachbarschaftsnetz können sich Menschen zum Beispiel zu einem Spaziergang verabreden oder eine Begleitung zu einem Termin finden. Für regelmäßige Pflege oder medizinische Behandlung reicht ein Nachbarschaftsnetz nicht aus. Auch eine dauerhafte Betreuung kann es nicht leisten. Ehrenamtliche Unterstützung kann professionelle Hilfen ergänzen, aber nicht ersetzen.

Frau mit einer Tasse Tee an einer offenen Gartentür.
KI-generiertes Symbolbild

Vertraute digitale Wege nutzen

Fragen Sie nach, welche digitalen Angebote die Beteiligten bereits verwenden, bevor Sie eine neue Plattform einführen. Laut der SIM-Studie 2024 nutzen 79 Prozent der älteren Menschen, die online sind, regelmäßig Kurznachrichtendienste. Videotelefonie ist deutlich weniger verbreitet: Sie nutzen 28 Prozent. Ein vorhandener Messenger kann deshalb für manche Gruppen leichter zugänglich sein als eine neue Anwendung oder regelmäßige Videotreffen.

Die Zahlen gelten nicht für alle älteren Menschen. In der SIM-Studie waren 87 Prozent der Menschen ab 60 zumindest gelegentlich online, bei den über 80-Jährigen 62 Prozent. 38 Prozent der über 80-Jährigen nutzten das Internet nicht. Internetzugang und sichere Bedienung sind zudem zwei verschiedene Dinge. Planen Sie daher von Beginn an auch einen telefonischen Kontakt und einen analogen Weg zur Teilnahme ein.

Onlinekontakte persönlich machen

Ein digitales Netz bleibt überschaubarer, wenn es einen konkreten Anlass für Begegnungen gibt. Richten Sie zum Beispiel einen regelmäßigen Spaziergang oder einen offenen Kaffeetreff ein. Im digitalen Kanal lassen sich Ort, Zeit und Änderungen mitteilen; beim Treffen lernen sich die Beteiligten persönlich kennen.

Aus Onlinekontakten können Telefonate, Besuche oder gemeinsame Unternehmungen entstehen. Ein Bericht von nebenan.de dokumentiert solche Vermittlungen. Er belegt, dass dieser Übergang möglich ist, aber nicht, dass jede Plattform Einsamkeit verringert. Auch ein kleiner Versuch in Bochum verband Smartphone-Unterstützung mit wöchentlichen Aktivitäten im Wohnumfeld. Die Ergebnisse geben Hinweise für die Umsetzung. Wegen der wenigen Teilnehmenden und des fehlenden Vergleichs zeigen sie aber nicht, ob solche Angebote allgemein wirken.

Unterstützung beim Einstieg anbieten

Wer ein Smartphone selten nutzt, braucht oft Zeit und Gelegenheit zum Üben. Vereinbaren Sie deshalb eine offene Sprechstunde oder bieten Sie Einzelhilfe an. Kleingruppen eignen sich bei gleichen Fragen mehrerer Personen; bei größeren Hürden kann ein Besuch zu Hause sinnvoll sein.

Auch die Anlaufstellen des DigitalPakts Alter bieten solche Formate: In einer Auswertung boten 74 Prozent Kleingruppen und 67 Prozent Einzelsprechstunden an. Die Angaben beschreiben die teilnehmenden Anlaufstellen, nicht sämtliche Unterstützungsangebote in Deutschland. Sie zeigen aber, dass unterschiedliche Lernwege praktisch berücksichtigt werden.

Person am häuslichen Arbeitsplatz mit Laptop und Wochenplan.
KI-generiertes Symbolbild

Datenschutz und Sicherheit klären

Legen Sie gemeinsam fest, welche Informationen in der Gruppe geteilt werden. Eine Wohnadresse gehört nicht automatisch in einen großen Chat. Das gilt ebenso für Abwesenheitszeiten. Auch persönliche Gesundheitsdaten gehören nicht automatisch dorthin. Für dringende Anliegen sollte außerdem klar sein, wen die Beteiligten direkt anrufen können. Eine Messenger-Gruppe ist keine Notrufstelle und garantiert keine sofortige Antwort.

Besprechen Sie auch Betrugsversuche, ohne ältere Menschen pauschal als besonders gefährdet darzustellen. Die Polizeiliche Kriminalprävention rät dazu, ungewöhnliche Geldforderungen über einen anderen, bereits bekannten Kontaktweg zu prüfen und keine Verifizierungscodes weiterzugeben. Zeigen Sie, wo sich die Privatsphäre-Einstellungen des jeweiligen Dienstes finden.

Fortschritt an Begegnungen messen

Viele Registrierungen sagen wenig darüber aus, ob das Netz im Alltag hilft. Prüfen Sie stattdessen, ob Menschen teilnehmen, die vorher wenig Kontakt hatten, ob wiederkehrende Treffen zustande kommen und ob konkrete Unterstützungswünsche vermittelt werden. Fragen Sie regelmäßig nach, was funktioniert und was sich ändern sollte.

Einsamkeit bedeutet, dass die eigenen Beziehungen nicht den persönlichen Bedürfnissen entsprechen. Sie lässt sich nicht allein aus dem Alter, dem Alleinleben oder einer geringen Zahl von Kontakten ableiten. Eine Auswertung des Deutschen Alterssurveys ergab für 2020/2021 einen Anteil von 8,3 Prozent einsamer Menschen unter den Befragten ab 50 Jahren. Zwischen den Altersgruppen ab 50 Jahren fand sie keine Unterschiede. Ein digitales Netz kann Kontakte erleichtern, aber persönliche Bedürfnisse und die Qualität der Beziehungen bleiben entscheidend.